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Die Geschichte zur Entstehung der Lisdorfer Kirche

Aus dem Geschlecht der Merowinger kam SIGIBERT I. der 561 bis 575 in Reims und Metz mit seiner Gemahlin BRUNHILDE regierte. Er, der seit seiner Kindheit in Soisson die Heiligen Crispinus und Crispinianus verehrte, brachte gemäß der überlieferten Geschichte im September des Jahres 570 die Reliquien nach Lisdorf.

Dazu soll sich im Jahr 570 im Jagdbereich des Königs SIGIBERT I., in dem sich auch der Ort Lisdorf befindet, folgendes zugetragen haben.

Das Jahr 570 war für die Ritter und Bauern der Herrschaft Lisdorf ein denkwürdiges Jahr. Im September war der Hofmarschall des Königs von Austrien aus Metz eingetroffen und hatte Anordnungen zu dem bevorstehenden Kirchweihfest getroffen. Der König selbst wollte zur Weihe der Lisdorfer Kirche kommen. Sie war ein Jahr zuvor auf seinen Befehl hin gebaut worden. Einige Wochen später schon nahte der königliche Zug. König Sigibert I. ritt an der Spitze seiner Edelleute. Der großen Reiterschar und Jägern, Falknern und Hundeführern folgte ein Tross schwerer Wagen, auf dem Diener und Dienstmägde saßen. Sie führten Zelte, Haus- und Jagdgeräte mit. Königin Brunhilde war im Gespräch mit Peter, Bischof von Metz (568-578), der an ihrer Seite ritt. Vier Ritter mit weißen Mänteln über der Rüstung folgten ihnen. Sie trugen abwechselnd einen kleinen goldenen Schrein an einem Schulterband. Das große Gefolge stand am anderen Morgen ehrfürchtig zu beiden Seiten des Weges, als der König und die Königin, an ihrer Seite der Bischof, zur festlich geschmückten Kirche schritten. Vor ihnen trug ein Ritter den Schrein, in dem Reliquien der beiden römischen Märtyrer Crispinus und Crispinianus ruhten. Der König hatte die Reliquien aus Soisson überführen lassen.

In Soisson, seiner Geburtsstadt, hatte er schon als Heranwachsender diese beiden Heiligen verehrt.

Während Peter, Bischof von Metz mit den Priestern die Kirche weihte, knieten die Majestäten in der Kirche mit ihren Edlen in Andacht nieder. Der König dachte an das Leben der beiden Heiligen. – Die Legende spricht von Crispin und seinem Bruder Crispinianus, Söhne einer vornehmen römischen Familie, dass sie zusammen mit dem Sohn eines römischen Senators nach Soisson kamen um dort als Glaubensboten zu wirken. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie als Schuhmacher, den Armen machten sie unentgeltlich Schuhe, wodurch sie viele für ihren Glauben gewannen. In den Christenverfolgungen unter Kaiser Maximian wurden sie vom Präfekten Rictiovarus im Jahr 287 n. Chr. Verhaftet und gefoltert. Er ließ ihnen Pfrieme unter die Fingernägel stecken, sie mit flüssigem Blei übergießen, sie ins Feuer, eiskaltes Wasser werfen und schließlich enthaupten. Eine andere Überlieferung berichtet, dass ihnen – wie Bartholomäus – die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen wurde. An der Stelle des Martyriums von Crispin und Crispinianus wurde im 6. Jahrhunder eine Basilika in Soisson erbaut. Heute, an diesem festlichen 25. Oktober, war ihr Todestag. Peter, Bischof von Metz, hatte die Reliquien in den Altartisch eingemauert und begann nun, die erste heilige Messe in der Kirche der Herrschaft Lisdorf zu lesen. Schüler der Metzer Bischofsschule sangen das Gloria.
Des Königs Freude war groß, sein Wunsch war erfüllt. An seinem Jagdaufenthalt hatte er eine Kirche, in der er die Heiligen verehren durfte, die er seit seiner Kindheit kannte.

 

Quellenhinweis:
Gregor von Tours Zehn Bücher Geschichten. Auf Grund der Übersetzung W. Giesebrechts neubearb. von Rudolf Buchner. (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters)
Heinemann, Karl Das Erzbistum Mainz in römischer und fränkischer Zeit, Bd. 1 Marburg 1979
Knoll, Gerald Geschichte Lisdorf, Überführung der Reliquie aus Soisson nach Lisdorf unter Sigibert I. mit Peter, Bischof von Metz, Saarlouis 2005, im Ökumenischen Heiligenlexikon 2005, Wikipedia Geschichtslexikon 2005
Mailänder, Dr. A. Geschichtlicher Beitrag über Sigibert I., Enkel Chlodwigs und König von Austrasien aus : Geschichte der Saargegend Bd. XII, 1962
Scheibelreiter, Georg Der Bischof in der merowingischen Zeit, Wien, Köln, Graz 1983
Zöllner, Erich Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts, München 1970