St. Peter u. Paul Beaumarais
P

Die 322 jährige Geschichte der Kirche Beaumarais

Der Pfarrort Beaumarais verdankt seine Entstehung der Anlage der Stadt und Festung Saarlouis durch den französischen König Ludwig XlV. in den Jahren 1680-1683. Gleiches gilt für die Stadtteile Neuforweiler und Picard, wobei letzterer als Filiale zu Beaumarais gehört. An der Stelle des heutigen Stadtteils Beaumarais stand bereits1638 ein Hof gleichen Namens. Dieser gehörte, wie Philipp de Lorenzi in seinem Buch "Beiträge zur Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier" 1887 erwähnt, ebenso wie die Filiale Picard zur Pfarrei Kirchhofen (Fraulautern). Die Franzosen errichteten auf dem Hof Beaumarais zunächst ein Hospital und ein Aufseherhaus. In der Nähe des Hofes ließ Ludwig XlV. 1690-91 eine Kirche erbauen. Sie war bestimmt für die Arbeiter an der Festungsstadt Saarlouis, die sich hier niedergelassen hatten, und für die ehemaligen Einwohner von Wallerfangen, die nach der Zerstörung ihres Ortes und ihrer Kirche hier angesiedelt wurden.

 Als Nachfolgekirche von Wallerfangen wurde die Kirche in Beaumarais den Aposteln Petrus und Paulus geweiht, gehörte aber wie die zerstörte Kirche in Wallerfangen zur Pfarrei Kirchhofen in Fraulautern. Die Kirche wurde nach einem Entwurf, den der Intendant des Festungsbaues hatte entwerfen lassen, von dem Unternehmer La Liberte und dem Zimmermann Pierre Edet errichtet, wie in noch vorhandenen Urkunden nachzulesen ist.

Die Einweihung dieser Kirche erfolgte am 29.06.1692, dem Fest der Apostel Petrus und Paulus, denen sie geweiht war.

Der Laienraum der Kirche, die 20 m lang und 10 m breit war, umfaßte 153 qm und hatte damit etwa die Ausmaße eines größeren Wohnhauses.Die Glocken waren in einem Gerüst aus Holz neben der Kirche untergebracht. Das Bauholz für die Kirche stammte aus der niedergelegten kirche in Wallerfangen. Außerdem wurde eine Anzahl wertvoller Geräte aus der Kirche in Wallerfangen nach Beaumarais gebracht. Unter diesem Inventar befand sich auch eine versilberte Statue des hl. Sebastian. Dieser Heilige wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg als Schutzpatron gegen die Pest verehrt. Es wurden an vielen Orten Sebastiansbruderschaften gegründet, so auch in Wallerfangen, die der die silberne Statue stiftete. Leider ging diese Heiligenfigur in den Wirren der Französischen Revolution  verloren. 1821 führt Pastor Müller auf dem rechten Seitenaltar das "Bild Sebastiani" an, und im Inventarverzeichnis von 1841 wurden zwei Sebastiani angeführt. Heute befindet sich im Eingang der Kirche eine Statue des hl. Sebastian, die aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts stammen könnte.

Als Beaumarais einige Jahre nach der Errichtung der Kirche genügend Einwohner hatte, schenkte der französische König ihnen das Gotteshaus und stattete es zur materiellen Absicherung mit 10 Morgen Land aus. Die Beaumaraiser Bürger kauften noch 6 Morgen dazu. Außerdem ließen sie Nebenschiffe an der Kirche errichten, damit sie geräumiger wurde.

Obwohl die Stammkirche der Pfarrei Kirchhofen in Fraulautern war, war der Sitz des Pfarrers Wallerfangen, da das Pfarrhaus nicht zerstört wurde. Von 1760 an wohnten, wie de Lorenzi berichtet, die Pfarrer von kirchhofen in Beaumarais, das später eine selbstständige Pfarrei wurde. In der Zeit, in der Beaumarais zur Pfarrei Kirchhofen gehörte, mußten die Beaumaraiser jedes Jahr eine Prozession nach Fraulautern machen, um ihre Zugehörigkeit zur Stammkirche unter Beweis zu stellen.

Bei der Visitation von 1744 hieß die Pfarrei noch Kirchhofen, im Visitationbericht von 1760 wird sie Beaumarais oder Kirchhofen genannt, 1722  Beaumarais und Kirchhofen und danach nur noch Beaumarais. Aus dem Visitationbericht des Jahres 1744 ergibt sich, daß die Kirche in Beaumarais zur damaligen Zeit 3 silberne Kelche und zwei Glocken aus wallerfangen besaß.

Während der Französischen Revolution wurde in den Jahren  von 1794-1798 die Kirche in Beaumarais geschlossen. in dieser Zeit war Beaumarais vorübergehend als Filiale wallerfangen zugeordnet. Spätestens seit 1802, als zwischen dem frnzösischen Staat und dem Papst ein Konkorat geschlossen worden war, war Beaumarais wieder eine selbständige Pfarrei.

Im Jahre 1839 mußte die Kirche in Beaumarais zum zweiten Male geschlossen werden, diesmal wegen Baufälligkeit. Ihr Turm mußte schon ein Jahr vorher abgetragen werden. Der sumpfige Grund und die mangelhafte Bauausführung waren schuld.

Heinrich Niessen führt in seinem Buch über die "Geschichte des Kreises Saarlouis" aus dem Jahre 1803 auch zwei kapellen in Beaumarais an, eine in der Nähe des damaligen Pfarrhauses, die dem hl. Valentin geweiht war, und eine Kapelle mit einer Eremitage auf dem Barbara-Berg. Eine weitere Kapelle befand sich auf dem Gelände Soutyhof, die leider bei der Neugestaltung des Anwesens in jüngster  Vergangenheit abgerissen wurde. Von ihr berichtet Dora Dimel sehr ausführlich in ihrem Buch:"Geschichte der Kreisstadt Saarlouis-Die Geschichte des Stadtteils Beaumarais", Saarlouis 1988.Sie schreibt, daß der Hof im Jahre 1779 im Besitz des Kriegskommisars Salverte war, der unter Mithilfe des damaligen Pfarrers in Beaumarais,Lefebvre, ein Gesuch an den Weihbischof in Trier richtete, um die Schloßkapelle wieder zu errichten. Am 27.04.1779 erteilte der Weihbischof im Namen des Erzbischofs Clemens Wencelaus die Genehmigung, in der Kapelle die Messe zu lesen. In dieser Kapelle wurde während des Neubaues der Pfarrkirche in Beaumarais im Jahre 1840 für die Einwohner von Picard die hl. Messe gelesen, die Beaumaraiser benutzten während dieser Zeit die Valentinskapelle in der Nähe des alten Pfarrhauses.

Der Neubau der Pfarrkirche in Beaumarais wurde durch Pfarrer Wehr dem Kreisbaumeister Birk übertragen. Er ließ 1840 an der gleichen Stelle, an der die erste Kirche gestanden hatte, eine klassizistische Saalkirche errichten. Sie war etwa dreimal so groß wie die alte Kirche. Wie ausgrabungen 1973 gezeigt haben, liegt die neue Kirche parallel zu den Fundamenten der alten. Als der Turm der neuen Kirche bis zur Firsthöhe des neuen  Gotteshauses hochgezogen war, sackte er zusammen. Er konnte erst 1847 vollendet werden. In ihren wesentlichen Bestandteilen besteht diese Kirche bis heute. Michael Thome berichtet in seinem Beitrag zur " Kunst im Kirchenraum Saarlouis 1100-1980 " , daß Pastor Nikolaus Müller ( !841-1848 ) den neuen großen Kirchenraum im "modernen" Stil ausstatten wollte. Er selbst zeichnete den Entwurf einer neuen Kanzel, die ihm das Lob des Generalvikariates in Trier einbrachte. Im Bistumsarchiv in Trier liegen die Entwürfe für einenHochaltar und zwei Seitenaltäre, bei denen sowohl noch barocke wie auch klassizistische und Empire-Formen verwendet werden. Der Bau der Kirche war aber so teuer, daß zur Ausführung dieser Altäre das Geld fehlte. So erhielt die Kirche nur eine mäßige barocke Ausstattung des 18. Jahrhunderts. Diese barocke Ausstattung blieb bis 1884.

In diesem Jahr übernahm Pastor Eisen die Pfarrei Beaumarais, nachdem sie in den Jahren von Bismarcks Kulturkampf sieben Jahre vakant geblieben war. Pastor Eisen nahm eine Totalrenovierung der Kirche vor, bei der die barocke Ausstattung der Kirche beseitigt wurde. Der Hochaltar, über den noch an anderer Stelle berichtet wird, kam nach Werbeln. Die übrige barocke Ausstattung wurde versteigert und kam in privaten Besitz.. Für die Renovierung im neuromanischen Stil war der Architekt Jacquemin aus Metz zuständig. Er entwarf auch die neuen Altäre aus carrarischem Marmor. Frau von Salis-Halden, geb. de Galhau, trat als großzügige Wohltäterin auf und finanzierte die neue Ausstattung. Eine Empore auf Steinpfeilern wurde errichtet, zu der eine zierliche Wendeltreppe aus Gußeisen führt. Orgel, Bänke, Beichtstühle und Kanzel wurden fein in Eichenholz gearbeitet. Ein neuer Kreuzweg, die Statuen auf den Altären und die beiden Reliefbilder zu Seiten des Tabernakels wurden von Georg Wagner aus Trier geschaffen. In seinem Bericht von 1971 lobt der Bistumskonservator Dr. Ronig vor allem die Altäre und bezeichnete sie als "vielleicht einmaliges Zeugnis lothringischer Kirchenkunst auf deutschem Boden".

Leider wurden bei der Renovierung der Kirche 1954 einige Aufbauten von den Altären entfernt. Der Grund lag in der modernistischen Auffassung dieser Zeit, die in falsch verstandenem Funktionalismus jeden unzweckmäßigen Zierrat aus der Architekur verbannte. Im Zuge der genannten Renovierung durch Pfarrer Eisen wurde auch das romanische Maßwerk der Fenster eingezogen.

 Die drei hochwertigen Gemälde, auf die an anderer Stelle nochmals eingegangen wird, wurden in einer Remise untergestellt. Pfarrer Haser entdeckte diese Großgemälde aus der Abtei Wadgassen 1954, erkannte ihren Wert und ließ sie durch den Maler Sonnet restaurieren und in der Pfarrkirche wieder aufhängen.

Zum letzten Mal wurde die Kirche unter Pastor Hansen 1975 im Zuge der Liturgiereform durch den Architekt Hoffmann renoviert. Dabei wurde auch der Altarraum neu gestaltet. Die Säulen der Seitenaltäre wurden mit einer neuen Marmorplatte zu einem Altartisch umgearbeitet. Michael Thome charakterisiert in dem genannten Beitrag dieser Neugestaltung folgendermaßen: "Durch eine sehr sorgfältige Material-und Farbabstimmung von Bodenbelag, Bestuhlung und Behandlung der Decken und Wände und der gesamten Dekoration konnte man den Grundcharakter der klassizistischen Saalkirche erhalten, in den sich die neuromanische Ausstattung unaufdringlich und harmonisch einordnet".

 

                                                                                                                             Karl Heinz Glessner