Institutionelles Schutzkonzept
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Institutionelles Schutzkonzept (ISK)
der Pfarreiengemeinschaft Saarlouis links der Saar


Erarbeitet von einem „ISK – Team“, bestehend aus
Petra Görgen, Ralf Pracht, (beide Pfarreienrat), Birgit Jung (KiTa), Dr. Monika Weber (geschulte Person), Dr. Frank Kleinjohann (Pfarrer) und Bernhard Hildebrandt (Gemeindereferent) in Austausch mit vielen Personen die haupt- oder neben- oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen arbeiten und in Austausch mit Pfarreienrat, Verbandsvertretung und Pastoralteam.


1. Einleitung 
2. Eine Frage der Haltung: Wertschätzung, Respekt, Achtsamkeit 
3. Arbeitsergebnisse Risikoanalyse der unterschiedlichen Gruppen 
4. Beschwerdewege 
5. Personalauswahl / Aus - und Fortbildung / Erweitertes Führungszeugnis 
6. Verhaltenskodex, Selbstauskunftserklärung 
7. Öffentlichkeitsarbeit 
8. Interventionsplan und Nachsorge 
9. Qualitätsmanagement
10. Abschluss 
11. Anlage 


1. Einleitung
Das Thema „Prävention vor sexuellem Missbrauch oder sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen“ ist unserer Pfarreiengemeinschaft ein großes Anliegen.
Schon vor Jahren wurde das Thema in unseren Gemeinden bedacht.
Bereits damals wurden für Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit Verpflichtungserklärungen verpflichtend eingeführt und von manchen erweiterte Führungszeugnisse verlangt.
Nach den Schulungen der Hauptamtlichen wurden auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geschult.
Wir sehen uns in der Verantwortung, mit Kindern und Jugendlichen und deren Eltern vertrauensvoll umzugehen. In diesem Zusammenhang bekennen wir uns zu dem Auftrag, Kinder, Jugendliche und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene zu schützen.


In unserer Pfarreiengemeinschaft sollen alle Menschen, gerade vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes, Respekt und Wertschätzung erfahren. Wir alle sind Ebenbilder Gottes.


Wir wollen ihre Rechte und individuellen Bedürfnisse achten, ihre persönlichen Grenzen wahren und einfühlsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz umgehen. Dabei soll uns bewusst sein, dass uns in jedem anderen Menschen auch Gott begegnen kann.


Das institutionelle Schutzkonzept (ISK) hat das Ziel alle Beteiligten für Risikofaktoren zu sensibilisieren und präventive Verbesserungen zu schaffen.


Der Bischof beauftragt geeignete Personen als geschulte Personen im Sinne von Ziffer 3.5 PrävO für eine Pfarrei oder für den Zusammenschluss mehrerer Pfarreien zu wirken. Diese werden von der Fachstelle Prävention geschult. Für unsere Pfarreiengemeinschaft übernimmt zur Zeit Frau Dr. Monika Weber diese Aufgabe.
Diese übernimmt folgende Aufgaben:

  • kennt die Verfahrenswege bei Verdachtsmeldungen sowie interne und externe Beratungsstellen und kann Mitarbeitende und ehrenamtlich Tätige darüber informieren;
  • fungiert als Ansprechpartnerin für Mitarbeitende sowie ehrenamtlich Tätige bei allen Fragen zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt;
  • unterstützt den Rechtsträger bei der Erstellung und Umsetzung der institutionellen Schutzkonzepte;
  • bemüht sich um die Platzierung des Themas in den Strukturen und Gremien des Rechtsträgers;
  • berät bei Planung, Organisation und Durchführung von Präventionsprojekten und Maßnahmen für Minderjährige und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene aus Sicht der Prävention gegen sexualisierte Gewalt;
  • trägt mit Sorge dafür, dass bei Angeboten und Maßnahmen für Minderjährige und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene qualifizierte Personen zum Einsatz kommen;
  • benennt aus präventionspraktischer Perspektive Fort- und Weiterbildungsbedarf;
  • ist Kontaktperson vor Ort für die Präventionsbeauftragten der Netzpartner.

Uns ist bewusst, dass es die Aufgabe der ganzen Pfarreiengemeinschaft, insbesondere des Pfarrers, aller Seelsorgerinnen und Seelsorger, aller weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, des Verwaltungsrates und des Pfarreienrats ist, sich um das Thema Prävention und Schutz von Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen zu bemühen.


2. Eine Frage der Haltung: Wertschätzung, Respekt, Achtsamkeit
Es bedarf einer klaren, selbstverständlichen Grundhaltung jeder einzelnen Mitarbeiterin, jedes/jeder einzelnen Mitarbeitenden und jedes/jeder ehrenamtlich Tätigen, um gemäß einer „Kultur der Achtsamkeit“ die Begegnungen mit Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen zu gestalten:
- Wir begegnen Kindern und Jugendlichen mit Wertschätzung, Respekt und Vertrauen.
- Wir achten ihre Rechte und individuellen Bedürfnisse.
- Wir stärken ihre Persönlichkeit.
- Wir nehmen ihre Gefühle ernst und sind ansprechbar für die Themen und Probleme, die heranwachsende Menschen bewegen.
- Wir respektieren und wahren ihre persönlichen Grenzen.
- Wir gehen achtsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um.


Kinder und Jugendliche müssen diese Haltung überall spüren und erleben können. Sie müssen die Gewissheit haben, dass sie offen sprechen und bei Problemen Hilfe erwarten können. Denn Kinder, Jugendliche und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene sollen sich bei uns wohlfühlen und sichere Lebensräume finden.


Dazu ist es notwendig, dass wir die Art, wie wir miteinander umgehen, immer wieder überprüfen und stetig weiterentwickeln.

3. Arbeitsergebnisse Risikoanalyse der unterschiedlichen Gruppen
Um unser zusammen Leben und Tun sicherer und transparenter zu machen, wurde eine Risikoanalyse erstellt.
Folgende Gruppen und Einrichtungen wurden zur Mitarbeit an der Risikoanalyse angeschrieben:
Alle Pfarrheime (Hausmeister), alle Kirchen mit Sakristeien und Nebenräumen (Küsterinnen und Küster), Erstkommunion- und Firmvorbereitung, Ministrantinnen und Ministranten, Hauskommunion, Trauerpastoral, Pfarrbüro, Taufpastoral, alle Seniorenbegegnungen, die lokalen Teams und die Verwaltungsräte, die Kirchenmusiker und Chöre, die Frauengemeinschaften und die Pfadfinder.
Im Folgendem sind die Arbeitsergebnisse der einzelnen Gruppen:


3.1 Firmvorbereitung
- Bauliche Begebenheiten: Abstellräume, Beichtstuhl, Besprechungs- und Gruppenräume, Keller, Sakristei, Toiletten
- Anlässe: 1:1 Situationen, Getümmel, Nutzung vom Medien wie Smartphone und Internet, Treffen an Ausnahmezeiten und Ausnahmeorten
- Ansprache von existentiellen Themen bei der Firmvorbereitung (Schuld; Theodizeefrage; Frage nach dem Tod; Liebe, Beziehung und Sexualität …)
- Regeln im Umgang mit Nähe und Distanz sind den Jugendlichen nicht immer bekannt.


3.2 Vorbereitung zur Erstkommunion
- Bauliche Begebenheiten: Abstellräume, Beichtstuhl, Besprechungs- und Gruppenräume, Keller, Sakristei, Toiletten
- Anlässe: 1:1 Situationen, Getümmel, Nutzung vom Medien wie Smartphone und Internet
- Existentielle Themen wie Schuld – Beichte.
- Zu manchen Eltern besteht wenig Kontakt.
- Regeln im Umgang mit Nähe und Distanz sind den Kindern oft nicht bekannt.


3.3 Ministranten
- Bauliche Begebenheiten: Abstellräume, Beichtstuhl, Besprechungs- und Gruppenräume, Sakristei, Toiletten
- Anlässe: Ankleidehilfe, Nebenräume der Sakristei; Übernachtungen in Gemeinschaftszimmern nach Geschlechtern getrennt.
- Beschwerdewege sind nicht ausreichend bekannt.
- Regeln im Umgang mit Nähe und Distanz sind den Kindern und Jugendlichen nicht immer bekannt.


3.4 Sonstige Bereiche der Kinder-, Jugend- und Familienpastoral
(Sternsinger, Begegnung in kirchlichen Räumen, Pfadfinder)
- Angebot unterschiedlicher Aktionen (über Nacht, Tagesaktionen, mit vielen oder wenigen Teilnehmenden)
- teilw. Fahrgemeinschaften
- Übernachtungen (zum Beispiel Gemeinschaftszimmer und/oder Zelte; Duschen)
- unbewusste Bevorzugung/Benachteiligung von einzelnen Teilnehmenden
- teilweise nur punktuelle Kontakte zu den Kindern/Jugendlichen
- Mediennutzung der Kinder und Jugendlichen
- Schwimmbadbesuche
- Falschbeschuldigung und Mobbing
- körperbetonte Spiele
- Kinderschminken - Körperkontakt
- Kinder suchen von sich aus Körperkontakt
- Erste Hilfe
- Wasserspiele
- Umziehen Krippenspiel, Sternsinger etc.
- Sternsinger: Hausbesuche


3.5 Kirchenmusik und Chöre (Kinder und Jugendliche höchstens im Rahmen von Projekten der
Erstkommunion– und Firmvorbereitung)
- Bauliche Begebenheiten: Empore, Besprechungs- und Gruppenräume, Toiletten


3.6 Frauengemeinschaften
- Regeln im Umgang mit Nähe und Distanz sowie ein Beschwerdesystem sind den Mitgliedern nicht immer bekannt.


3.7 Seniorenbegegnungen (oft Menschen mit Behinderungen, auch Bettlägrige)
- selten Hilfe bei der Körperpflege und Toilette


3.8 Hauskommunion, Seniorenbesuche und Kondolenzbesuche (oft Menschen mit Behinderungen, Bettlägrige)
- Betreten von fremdem Wohnungen
- 1:1 Situationen
- besondere Situation (Krankheit, Hilflosigkeit, Alter, Trauer)


3.9 Allgemein:
- Auf dem Kirchengelände und auch in den Gebäuden halten sich oft Außenstehende auf.
- Düstere Ecken um die Kirchengebäude
- In allen Kirchen und Pfarrheimen gibt es Nebenräume der Sakristeien oder Gruppenräume und Kellerräume, in denen einiges unbemerkt geschehen kann.


4. Beschwerdewege
Es folgt eine Beschreibung der internen und externen Beschwerdewege.
Durch dieses Präventionskonzept soll auch eine grundsätzlich positive Haltung zu Beschwerden entstehen.
Beschwerden sind Chancen auf dem Weg der Verbesserung.


4.1 Firmvorbereitung
Im Rahmen der Firmvorbereitung wurden folgende Möglichkeiten zur Schaffung bzw. Verbesserung der Beschwerdekultur vereinbart:


- Reflexionsrunden und Abschlussreflexion
Das aktuelle Beschwerdesystem mit Reflexionsrunden im Plenum und einer schriftlichen Einzelreflexion am Ende der Firmvorbereitung hat sich bewährt und soll in dieser Form beibehalten werden.
- Ansprechpartner
Grundsätzlich verstehen sich alle, die Wege begleiten und Projekte leiten als Ansprechpersonen für alle Teilnehmenden der Firmvorbereitung. Vermutlich werden die Jugendlichen eher Personen ansprechen, die ihnen bekannt sind.

4.2 Beschwerdewege bei der Erstkommunionvorbereitung
Reflexionsrunden nach den Einheiten: Hierbei werden die Kinder befragt, was gut war, und was nicht gut angekommen ist. Oder: Wie gehe ich nach Hause? (Positiv gestimmt/negativ gestimmt)
- Die Beiträge der Kinder werden ernst genommen.


4.3 Beschwerdewege in sonstigen Bereichen der Kinder-, Jugend- und Familienpastoral:
Transparente Rollen- und Aufgabenverteilung vor einer Aktion bzw. Fahrt
Bei Tagesaktionen:
- Reflexionsrunden der Leitenden und ggf. auch der Teilnehmenden
- Ansprechpartner bei der Anmeldung für die Eltern
Bei Fahrten über Nacht:
- Elternabend vor der Fahrt
- Gleichgeschlechtliche Zimmerleitung als persönliche Ansprechperson
- Reflexionsrunden im Plenum
- Reflexionsrunden durch die Leitenden abends, nachdem die Kinder zu Bett gegangen sind


4.4 Beschweren kann man sich bei folgenden Personen und Stellen:

  • Bei der beauftragten Person in der Pfarreiengemeinschaft (zur Zeit Frau Dr. Monika Weber)
  • Beim Pfarrer oder bei anderen Seelsorgerinnen und Seelsorgern


4.5 Zu externen Beschwerdewegen siehe Punkt 8.1 „Unterstützungsangebote“


5. Personalauswahl / Aus - und Fortbildung / Erweitertes Führungszeugnis
In der Pfarreiengemeinschaft engagieren sich unterschiedliche Menschen auf verschiedene Art und Weise in Zusammenhang mit Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen:
- Als Hauptamtliche in der Seelsorge
- Als Haupt- oder Nebenamtliche (Küsterinnen und Küster, Kirchenmusiker, Sekretärinnen, Hausmeister …)
- Als Ehrenamtliche im Bereich der Folgedienste
- Als Ehrenamtliche in der Katechese und Jugendleiterrunden
- Als Ehrenamtliche bei den Einzelaktionen (Sternsinger, Krippenspiele, …),


Die Hauptamtlichen im seelsorglichen Dienst werden durch das Bistum geschult.
Im Bewerbungs- oder Erstgespräch bei Neueinstellungen wird deutlich gemacht, dass unsere Pfarreiengemeinschaft hinsichtlich sexualisierter Gewalt sensibilisiert ist und Prävention zum selbstverständlichen Bestandteil der Arbeit gehört.
Haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter im Bereich der Folgedienste werden ebenfalls geschult.
Ehrenamtliche werden in Schulungen jeweils mit dem Thema vertraut gemacht – die Schulung ist verpflichtende Voraussetzung für ein Ehrenamt mit Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen in unserer Pfarreiengemeinschaft.
Die Schulungen finden über die Fachstelle Prävention im Bistum Trier statt.
Neue jugendliche Leiter werden im Rahmen der JULEICA Schulung weitergebildet.
Nach 5 Jahren müssen alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter eine Vertiefungsveranstaltung oder Neuschulung besuchen.
Die Themen der Präventionschulungen entsprechen den Vorgaben des Bistums.
Wir verlangen von allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendarbeit ein erweitertes Führungszeugnis (EFZ), die Unterschrift unter den Verhaltenskodex (siehe Anhang) und eine Selbstauskunftserklärung.
Da wir die Zeugnisse nicht einsehen dürfen, werden die Führungszeugnisse an das kirchliche Notariat des Bistums gesandt.


6. Verhaltenskodex, Selbstauskunftserklärung
Alle Haupt- und Ehrenamtlichen unterzeichnen bei Ihren Schulungen eine Selbstauskunftserklärung und einen Verhaltenskodex (siehe Anhang – 11).


7. Öffentlichkeitsarbeit
Das aktuelle Präventionskonzept kann im Pfarrbüro und auf unserer Webseite eingesehen werden.


8. Interventionsplan und Nachsorge
Aufgrund der Vorgaben des Kirchenrechts steht hier der Pfarrer in der Verantwortung auf der Ebene der Pfarreiengemeinschaft. Seine Pflichten sind : Aufklärungspflichten, Anzeige- bzw. Informationspflichten, Pflicht zur Sanktionierung, Verhinderungspflichten, Pflicht zur Opferfürsorge.


8.1 Unterstützungsangebote
Unterstützungsangebote für das Team können sein:
- Gesprächsangebote zur Stabilisierung für die unterschiedlichen Personenkreise, um die Situation reflektieren zu können.
- Vorübergehende Aufstockung des Personalschlüssels bei Täterschaft eines/einer Kollegen/in.
- Entlastung durch unterstützenden Einsatz bisher nicht Teamzugehöriger (vom Vorfall nicht betroffener Kollegen/innen).
- Evtl. therapeutische Unterstützung bei einer akuten Belastungsreaktion.
- Supervision für das Team.
- Coaching für die Leitung.
- Bereitstellung finanzieller und personeller Ressourcen, um Freiräume zur Einzel- und Teamberatung zu ermöglichen.
- Fachliche Begleitung bei der Planung von Hilfsangeboten zur Krisenintervention.


Unterstützungsangebote für die Eltern:
- Information und Gesprächsangebote der Eltern des /der betroffenen Kind/er.
- Informationsabend für die Eltern der Gruppe bzw. Institution in Zusammenarbeit mit einer therapeutisch qualifizierten Fachkraft einer Beratungsstelle.


Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche:
- Bei Bedarf Vermittlung therapeutischer Hilfe.
- Gestaltung eines strukturierten Alltags.
- Evtl. Durchführung ergänzender Freizeitangebote durch kompetente qualifizierte Fachkräfte.
- Gegebenenfalls schrittweise Umgestaltung der mit den Gewalterfahrungen besetzten Räumlichkeiten.
Außerdem können wir uns an die vom Bistum beauftragen Ansprechpersonen wenden.


Nach der "Ordnung für den Umgang mit Sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst" sind im Bistum Trier die Fachanwältin Ursula Trappe (ursula.trappe(at)bistum-trier.de; Telefon: 0151 50681592) und der Psychologe Markus van der Vorst (markus.vandervorst(at)bistum-trier.de; Telefon 0170 6093314) die Ansprechpersonen für Verdachtsfälle.


Wir können uns bei Fragen (auch anonym) an folgende Personen und Stellen wenden:

  • An die beauftragte Person in der Pfarreiengemeinschaft (zur Zeit Frau Dr. Monika Weber)
  • An eine Kinderschutzfachkraft (§8a Bundeskinderschutzgesetz)
  •  An den Pfarrer oder an andere Seelsorgerinnen und Seelsorger
  • An das Jugendamt/Polizei

Weitere Beratungsstellen:
Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral
Dillingen (Herr Jörg Ries)
Merziger Str. 83
66763 Dillingen
06831 / 9458920
joerg.ries@bistum-trier.de


Lebensberatung Saarlouis
Lebensberatungsstelle des Bistums Trier
66740 Saarlouis
Tel.: 06831 / 25 77 oder 4 86 39


Hilfe bekommt man auch bei „Nele“ und „Phönix“
Saarbrücken (nicht kirchliche Träger):


NELE - Beratung gegen sexuelle Ausbeutung von Mädchen e.V.
Dudweiler Straße 80
Telefon 0681 / 32093 oder 32043
info(at)nele-saarland.de
NELE bietet auch Beratungsangebote in Zusammenarbeit mit der Kath. Familienbildungsstätte in Saarlouis an.


PHOENIX - Beratung gegen sexuelle Ausbeutung von Jungen (AWO)
Schubertstraße 6
Telefon 0681 / 7619685
phoenix@lvsaarlans.awo.org


Weitere Beratungsstellen kann man hier finden:
https://www.hilfeportal-missbrauch.de/nc/adressen/hilfe-in-ihrer-naehe/kartensuche.html


Dieses Präventionskonzept muss nach einem Verdachtsfall zeitnah überprüft werden, um weitere Sicherheitsmängel auszuschließen.


8.2 Ablaufschema Aufarbeitung
Die Schritte im Einzelnen:
- Krisenreflexion und Auswertung durchführen:
Es ist eine Auswertung vorzunehmen. Je nachdem, wie sich das irritierte System darstellt, entscheiden die Verantwortlichen vor Ort (z.B. leitender Pfarrer und Präventionsfachkraft) wer dabei sein sollte. Zu den Aufgaben des Kreises gehört es dann unbedingt, die Krise zu reflektieren. Hierbei ist es wichtig die Fachstellen des Bistums miteinzubeziehen. So können wichtige Schritte und Maßnahmen für die Überarbeitung des Schutzkonzepts und zukünftiges Handeln festgestellt werden.


- Leitfragen zur Reflexion können sein:
• Wie konnte es zum Vorfall kommen?
• Welche Schutzmechanismen haben nicht funktioniert?
• Wie hat das Krisenmanagement funktioniert?
• Was muss unternommen werden, um Wiederholungen zu vermeiden?


- Institutionelles Schutzkonzept überprüfen:
Die Ergebnisse der Reflexion werden zur Weiterentwicklung des Institutionellen Schutzkonzepts genutzt.


9. Qualitätsmanagement
Die Pfarreiengemeinschaft nutzt in der täglichen Arbeit bereits einige Ressourcen, die in den letzten Jahren ausgebildet und bekannt wurden:
- Zunächst die geschulten haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Durch ihre Aufmerksamkeit und ihren kollegialen Rat entwickeln wir die Gemeinde zu einem immer sichereren Ort für Kinder, Jugendliche und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene.
- Die Fachstelle Prävention im Bistum steht ebenfalls bei Fragen und Sorgen zur Kontaktaufnahme bereit.
- Der Pfarrer prüft jedes Jahr mit der beauftragten Person den aktuellen Schulungsstand und das Datum der Führungszeugnisse aller betroffenen Ehrenamtlichen. Dabei sind sie auf die Hilfe und Informationen des gesamten Pastoralteams und der Sekretärinnen angewiesen.
- Alle fünf Jahre wird das Konzept überprüft, um Neuerungen einzuarbeiten und Ungereimtheiten auszumachen.
Es liegt im Ermessen des Trägers, die Überprüfung häufiger vorzunehmen.
Auch bei strukturellen Veränderungen der Pfarreiengemeinschaft steht eine Prüfung des Präventionskonzepts an. Die Überprüfung des Konzeptes erfolgt in Zusammenarbeit mit Pfarrer, Pastoralteam, beauftragter Person, Kirchengemeindeverbands - Mitglied, Pfarreienrats - Mitglied.


Leitfragen bei einer Überprüfung sind:
- Was hat sich bei einer erneuten Risikoanalyse in den Gruppen und Einrichtungen verändert?
- Wie sehen die aktuellen Beschwerdewege aus, wie ist ihre Qualität und werden sie wirklich genutzt und angenommen? Trauen sich die Kinder / Jugendlichen / Eltern, sich über diese Wege zu beschweren?


10. Abschluss
Das Konzept wurde vom Kirchengemeindeverband am …. beschlossen und am …. vom Pfarreienrat verabschiedet.
Die inhaltlichen Entscheidungen des Konzeptes werden bereits umgesetzt.
Das Konzept wird dem Bistum Trier zur Überprüfung vorgelegt.


11. Anlage
Verhaltenskodex für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter
Unsere Pfarreiengemeinschaft will Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern, Lebensräume bieten, in denen sie ihre Persönlichkeit, ihre Fähigkeiten und Begabungen entfalten können. Dies sollen geschützte Orte sein, in denen junge Menschen sich angenommen und sicher fühlen.
Die Verantwortung für den Schutz von Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen vor sexualisierter Gewalt liegt bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesamtfeld der kirchlichen Arbeit. Diese sind zu einem reflektierten Umgang mit ihren Schutzbefohlenen und zur zeitnahen und angemessenen Thematisierung von Grenzverletzungen verpflichtet.
Dies wird durch die Unterzeichnung dieses Verhaltenskodex bekräftigt:


Ich achte die Würde meiner Mitmenschen. Mein Engagement in der Pfarreiengemeinschaft „Saarlouis links der Saar“ im Bistum Trier ist von Wertschätzung und Grenzachtung geprägt.


Ich verpflichte mich, alles in meinen Kräften Stehende zu tun, dass niemand den mir anvertrauten Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern, schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen seelische, körperliche oder sexualisierte Gewalt antut.
Ich beachte in meiner Tätigkeit in der Pfarreiengemeinschaft Saarlouis links der Saar jederzeit die geltenden Gesetze der Bundesrepublik Deutschland. Ich bin mir bewusst, dass jede sexualisierte Handlung mit Schutzbefohlenen disziplinarische und/oder strafrechtliche Folgen haben kann.


Gestaltung von Nähe und Distanz
- Ich stärke junge Menschen, für ihr Recht auf seelische und körperliche Unversehrtheit einzutreten.
- Ich achte die Rechte und die Würde von Kindern und Jugendlichen.
- Ich gehe achtsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um.
Räume, in denen sich Betreuungspersonen mit Kindern und Jugendlichen aufhalten, dürfen nicht abgeschlossen sein.
- Spiele, Methoden, Übungen und Aktionen werden so gestaltet, dass den Kindern und Jugendlichen weder Angst gemacht wird, sie bloß gestellt oder Grenzen überschritten werden. Alle haben das Recht bei Spielen, Ritualen o.ä. nicht mitzumachen.
- Individuelle Grenzempfindungen werden ernst genommen, beachtet und werden nicht abfällig kommentiert.
- Regelabweichungen werden zeitnah transparent gemacht.


Angemessenheit von Körperkontakt
- Die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen nach Nähe und Distanz sind zu beachten.
- Niemand darf zu Körperkontakt gezwungen werden.
- Eventuelle pflegerische Tätigkeiten sind eng mit den Eltern/Angehörigen abzustimmen.
Diese sind abgeschirmt für Blicke anderer Personen durchzuführen.

Beachtung der Intimsphäre
Intimität entspricht einer familialen Umgangsweise und missachtet eine für den Alltag in Institutionen gebotene fachliche Distanz.
Hingegen können ein grenzachtender Körperkontakt und eine sehr persönliche, liebevolle Ansprache eines Kindes oder Jugendlichen im beruflichen und ehrenamtlichen Kontext durchaus fachlich angemessen und menschlich korrekt sein - beispielsweise den Arm um die Schulter eines Jugendlichen legen oder ein Kind auf den Schoß nehmen und tröstend über den Kopf streicheln, wenn das Mädchen oder der Junge Sorgen hat, traurig ist oder sich verletzt hat.


- Die Intimsphäre der Schutzbefohlenen wird immer und überall gewahrt.
- Jeder hat das Recht, alleine und ungestört die Toilette zu benutzen und unbeobachtet zu duschen.
- Mädchen und Jungen benutzen grundsätzlich nach Geschlechtern getrennte Umkleidekabinen.
- Betreuer kleiden sich getrennt von den Kindern um.
- Kinder und Jugendliche werden ermutigt, in für sie unangenehmen Situationen „Nein“ sagen zu dürfen.


Verhalten auf Freizeiten und Reisen
- Bei Übernachtungen hat kein Betreuer das Recht, sich ungefragt auf das Bett eines Kindes oder Jugendlichen zu setzen. Alle schlafen nach Geschlechtern getrennt; Betreuer nicht bei Kindern.
- Die Privatsphäre von Teilnehmerzimmern ist zu beachten. Das Zimmer wird nur nach vorherigem Klopfen betreten.


Erzieherische Maßnahmen - Sanktionen
Die Wirkung von Sanktionen ist nur schwer abzuschätzen und daher gut zu durchdenken.
Falls Sanktionen unabdingbar sind, ist darauf zu achten, dass diese im direkten Bezug zur „Tat“ stehen, angemessen, konsequent, aber für den Bestraften auch plausibel sind.


Sprache und Wortwahl
- Sprache und Wortwahl ist respektvoll und wertschätzend.
- Verbale und nonverbale Interaktionen sollen der jeweiligen Rolle und dem Auftrag entsprechen und an die Zielgruppe und deren Bedürfnisse angepasst sein.
- Kinder und Jugendliche werden mit ihrem Vornamen angesprochen (keine Kose- oder Spitznamen)
- Sexualisiertes Reden und Handeln gegenüber Kindern und Jugendlichen findet nicht statt. (z.B. Küsse oder sexistische Witze)
- Es werden keine abfälligen Bemerkungen einzelnen oder ganzen Menschengruppen gegenüber geduldet. Bloßstellungen auch unter Kindern und Jugendlichen werden nicht geduldet.
- Bei sprachlichen Grenzverletzungen wird eingeschritten und Position bezogen.


Nutzung von Medien und Umgang mit sozialen Netzwerken
- Fotos, Filme, Computerspiele oder Druckmaterial mit pornographischen Inhalten sind verboten.
- Bei Veröffentlichungen ist das allgemeine Persönlichkeitsrecht, insbesondere das Recht am eigenen Bild, zu beachten.
- Werden Kinder und Jugendliche bei Veranstaltungen oder Ausflügen fotografiert, so geschieht dies ausschließlich zu Dokumentationszwecken.
- Jeder Mensch hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob er fotografiert oder gefilmt werden möchte.
- Die Einwilligungserklärung der Eltern in Hinblick auf Mediennutzung ist zu beachten.
- Das Fotografieren/Filmen durch die Eltern bei Gemeinschaftsaktivitäten und Festen ist im gesellschaftlich üblichen Rahmen für private Zwecke erlaubt. Eine Veröffentlichung ist verboten.
Hierauf sind die Eltern vor der Veranstaltung hinzuweisen.
- Es wird niemand in unbekleidetem Zustand fotografiert oder gefilmt.

Regelung von Geschenken
- Es werden keine Geschenke an einzelne Kinder und Jugendliche gemacht.


Sonstige Regelungen
Ich beziehe aktiv Stellung gegen grenzverletzendes, abwertendes, gewalttätiges oder sexistisches Verhalten. Egal ob dieses Verhalten durch Worte, Taten, Bilder oder Videos erfolgt.
Ich bemühe mich, jede Form persönlicher Grenzverletzung bewusst wahrzunehmen und die notwendigen und angemessenen Maßnahmen zum Schutz der jungen Menschen einzuleiten.
Ich kenne die Verfahrenswege und die entsprechenden Ansprechpartner für meine Pfarrei und mein Bistum. Ich weiß, wo ich mich beraten lassen kann oder bei Bedarf Hilfe zur Klärung und Unterstützung bekomme und werde sie in Anspruch nehmen.


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